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Entsagung

[...]
All, was du hältst, davon bist du gehalten,
Und wo du herrschest, bist du auch der Knecht.
Es sieht Genuss sich vom Bedarf gespalten,
Und eine Pflicht knüpft sich an jedes Recht.

Nur was du abweist, kann dir wiederkommen.
Was du verschmähst, naht ewig schmeichelnd sich,
Und in dem Abschied, vom Besitz genommen,
Behältst du dir das einzig deine: Dich!


Franz Grillparzer

 

 

Liebe Eltern, liebe Schulgemeinschaft, liebe Leserinnen und Leser!

Das Corona-Virus hat uns alle fest im Griff.

Oder ist es „nur" die Angst vor der größten anzunehmenden Katastrophe? Oder sind es „nur” die Virologen, die für einen unbestimmten Zeitraum unseren Handlungsspielraum definieren? Oder … nein, ich zähle jetzt nicht alle möglichen Positionen auf und schlage mich auf die eine oder andere Seite. Ich beobachte nur, dass etwas, das mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbar ist, uns alle weltweit in Atem hält. Weil wir gerade einen nicht für möglich gehaltenen Kontrollverlust aushalten müssen und unser Immer-weiter-so bis zum Stillstand abgebremst wurde. Ohne eine Vision für die Zeit danach erkennen zu können.

Was man aber wahrnimmt, wenn man die alarmierenden Berichte zur Seite schieben kann und zur Besinnung kommt, ist, dass deutlich Ahnungen auftauchen, darüber, was uns dieses Virus und der kollektive Stillstand sagen wollen: Allmachtphantasien, ewiges Wachstum, der erschöpfte Planet, der erschöpfte Mensch, Sackgasse.


Vehement werden diese Ahnungen von den Nachrichten, Analysen, Prognosen und Entscheidungen der politisch Verantwortlichen zurückgedrängt. Aber auch wenn wir täglich eine neue Lage der Dinge verdauen müssen und uns von einem Tag in den nächsten gejagt fühlen, tauchen diese Ahnungen immer wieder auf. Lichte Gedanken, hell und klar wie die Venus, die in diesen Tagen Abend für Abend wie eine Fackel den Nachthimmel erleuchtet. Man kann den Eindruck bekommen, dass uns der funkelnde Sternenhimmel gerade jetzt treu zur Seite stehen, aber auch erinnern will: Versucht die Zeichen zu deuten, so wie ihr den Lauf der Planeten erkannt und die Sternzeichen benannt habt; schreibt auch jetzt eure Gedanken auf, die so klar vor eurem inneren Auge auftauchen.

Das könnten die Hausaufgaben von uns Eltern, den Erwachsenen werden. Und dann, wenn die Wogen sich geglättet haben und der Alltag wie das zurückgedrängte Fördewasser wieder in die Straßen drängt, dann müssen wir unsere Tagebücher herausholen und uns daran erinnern, was uns klar geworden ist. Krisen sind Lernphasen, in denen die Gewichte und Bewertungen neu verteilt werden.


„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.
Sammelt vielmehr Schätze in der geistigen Welt, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.
Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.” (Matthäus 6,19-21)


Und wofür schlägt unser Herz?
Ist all das, worauf wir während des Stillstandes verzichten mussten, auch wirklich wert, in gleicher Stärke und Bedeutung reaktiviert zu werden. Sollten wir „nach dem Umzug” nicht einige Kisten besser verpackt lassen und entsorgen, bevor sie nur im Weg stehen und den Ausblick versperren? Sind in der Quarantäne nicht einige Bedürfnisse ganz neu bewertet und nach vorne gestellt worden?

„Eine deutliche Sprache reden nun uns die Zeichen der Zeit. Natur, sich wandelnd, stellt an uns die Frage, ob wir erkennen wollen,
dass aus Wirrnis und Leid nicht Vernichtung, sondern Vergeistigung des Menschen als des Kosmos Forderung uns erscheint.”
(Ita Wegmann, Ärztin und Mitarbeiterin Rudolf Steiners)


Diese angehaltene Zeit muss doch einen Sinn haben. Viel wäre gewonnen, wenn wir uns – neben dem Verdauen der täglichen Nachrichten und Analysen – auch aufgerufen fühlen würden, selber zu denken und dadurch diese Zeit nicht mit der Angst vor, sondern mit der Hoffnung auf füllen würden. So wünsche ich uns allen ein sinnhaftes Oster - Auferstehungs - Fest.

In der Hoffnung, dass wir alle gut aus dieser Krise herauskommen und wenn nicht, dass wir gemeinsam solidarische Lösungen finden werden, freue ich mich auf ein baldiges Wiedersehen.


Mit herzlichen Grüßen
Reinhard Elsler


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Adressen, Ansprechpartner

Schulleitungskonferenz (SLK)
Uta Bischof, Henrik Köhn, Ariane Waldheim, Antoine Weise

Personalkreis (PK)

Petra Janner, Jutta Rohde-Röh, Reinhard Elsler, Eva Heimsoth

Vorstand

Lars Erichsen, Malte Pontoppidan, Stefan Riedel, Ariane Waldheim, Marc Weber, Kathrin Zydek
Koordination: Henning Fitsch (0461-90325-0)

Elternrat
Ansprechpartner: Kathrin Hungershausen, elternrat[@]waldorfschule-flensburg.de

Vertrauenskreis
Astrid Boderius, Heike Freese, Karola Haack, Achim Langer, Jaime de Sandoval

Redaktion

Reinhard Elsler, Tatiana Sordia, Katja Möller, Andreas Cziepluch, Karl-Dietrich Wilske