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Projekt Gedenkstelle

Das künstlerische Konzept der Gedenkstelle „Steinfelder Weg“ 

Es war die grundsätzliche Aufgabe, eine Stätte würdigen Gedenkens zu schaffen, die eine Besinnung auf das Geschehene und seine Bedeutung für das aktuelle gesellschaftliche Leben ermöglicht und die zugleich der unmittelbaren Nähe zum laufenden Schulbetrieb und zum Aussiedlungs- und Deportationsort „Steinfelder Weg“ Rechnung trägt.

Eine ausgrenzende, feste räumliche Lösung konnte deshalb nicht in Frage kommen, sondern nur eine weiche, mit Naturelementen gebildete Gestaltung konnte dieser Situation einer abgrenzenden und zugleich verbindenden Funktion gerecht werden.

Die äußere Hülle der Gedenkstelle wird durch eine Pflanzung von Rosa Rugosa gebildet, unter der sich 44 weiße Rosenbüsche befinden, die für die 44 Deportierten stehen. Die Wahl fiel auf diese Rosenart, da sie wohlriechenden Duft verströmt und durch ihre Ölbildung ein starkes Wäremeelement hat.

Zwei kleine Apfelbäume, die mit ihren Kronen den unteren Teil der Gedenkstelle beschirmen und flankieren, schaffen einen besonderen Ort für das Pult, auf dem der Text aufgeführt ist, der die wesentlichen Fakten zur Gedenkstelle enthält. 

Zur Straße wird die Gedenkstelle durch einen Erdwall mit Brombeerbüschen, der ca. 1,50 m hoch ist, abgegrenzt. 

Die zwei Zugänge zur Gedenkstelle erfolgen durch schmale Fußwege, die auch von der Rosenpflanzung eingerahmt werden. 

Die Holzwand der Turnhalle bildet den hinteren Abschluss der Gedenkstelle. Durch sie können sich die Blicke der Besucher auf die Sockelstele mit den Namen und der Skulptur konzentrieren. 

Artikel im Flensburger Tageblatt vom 11. Juli 2022

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Die Ausstattung der Gedenkstelle 

Der Grundcharakter der Gedenkstelle ist die Verinnerlichung. Dies zeigt sich schon an der Pflasterung, deren Mittelpunkt ein innerer Kreis mit einer kreuzartigen Anlage ist. Um sie schließen sich konzentrische Kreise an, die an den Rändern nur teilweise gebildet werden können, da der Platz keine reine Kreisform hat, sondern oben abgeflacht ist und sich nach unten hin verlängert.

Der plastische Rand der Gedenkstelle wird durch drei viertelkreisförmige Bänke gebildet, die neben der Sockelstele den Platz „umarmen“ und ihn nach unten zur Straße hin abrunden. 

In der Mitte des Platzes verläuft die Hauptachse, auf der nach dem Pult die Erdskulptur und die Sockelstele liegen. Auf der Sockelstele sind die 44 Namen in umlaufender Weise aufgeführt, wobei, aufgrund des geringen Abstandes zur Turnhallenwand, die hintere Fläche keine Schriftzüge aufweist. Das Lesen der Beschriftung erfordert eine höhere Aufmerksamkeit und lässt so keine Ähnlichkeit zu einem Grabstein erkennen, an den andere Schriftgestaltungen erinnern könnten.

Auf der Stele ist die Skulptur angebracht. Ihr liegt der Gedanke zugrunde, dass bei der Erinnerung an das Geschehen der Vergangenheit nicht nur das Gegenbild, die Menschlichkeit aufgerufen wird, sondern auch die Frage nach den Kräften auftaucht, die solche Taten in der Gegenwart und Zukunft verhindern. 

 

Die Hauptkraft der Skulptur ist die Aufrichte in Verbindung mit dem Vermögen, zwischen Wahrheit und Täuschung zu unterscheiden. Die Aussage dieser Form wird von der strahlenartigen Struktur dieser Flächen verdeutlicht.

Rechts daneben findet sich eine lauschende Form, die die Fähigkeit verdeutlicht, Vorgängen und Dingen auf den Grund zu gehen und dadurch zur Wahrheit finden zu können. Auf der unteren linken Seite befindet sich ein kristalliner Körper, der sich mit schmerzhafter Unerbittlichkeit in den Korpus schiebt. Er soll die Art der Ereignisse, wie sie am Steinfelder Weg stattgefunden haben, erlebbar machen. 

Die Rückseite der Skulptur bildet eine dreigeteilte behütende, hüllegebende Geste. 

All diese Formen urständen in einer halbkugelartigen Form, die das Umfassende, Generelle, Menschliche in ihrer Aussage verdeutlicht.

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Besuch von Karin Prien am 04.12.2023

Die Erdskulptur trägt den Gedanken der Erde als lebendigem Wesen in sich.

 

Mit der Gedenkstelle ist neben dem Erinnern an die Zwangsumsiedlung und die Deportation in die Konzentrations- und Arbeitslager der Nazis und ihre Opfer ein pädagogischer Gedanke verbunden. In einer Zeit, wie der heutigen, wo Nationalismen und Konflikte zunehmen, wollten wir mit der Errichtung der Gedenkstelle auf diese Tatsachen reagieren, indem wir ihnen Urbildern des Sozialen entgegenstellen und damit öffentlich Position beziehen. 

Der kreative, tätige Umgang mit diesen Ereignissen ist auch die Aufgabe der Schule von heute.

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