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Projekt Gedenkstelle Steinfelder Weg

Auftaktveranstaltung zum Projekt Gedenkstelle Steinfelder Weg

Am Donnerstag, den 29. September 2022 fand in der Freien Waldorfschule Flensburg die Auftaktveranstaltung für die Gedenkstelle Steinfelder Weg statt. Die Initiator*innen des Projektes, Constanze Hafner und Achim Langer, konnten ungefähr 120 Gäste begrüßen, die gekommen waren, um an diesem Abend mehr über die Geschichte der in der NS-Zeit verfolgten Sinti und Roma in Schleswig-Holstein und insbesondere in Flensburg zu erfahren.
Matthäus Weiß, Vorsitzender des Landesverbandes der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein und stellvertretender Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, sprach ebenso ein Grußwort wie auch Simone Lange, Oberbürgermeisterin der Stadt Flensburg, des Weiteren Jens Rönnau, Kurator der Wanderausstellung „Der lange Weg. Aus der Vergangenheit lernen – Zukunft gestalten”.
Im Anschluss daran führte Dr. Sebastian Lotto-Kusche, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Europa-Universität Flensburg/Schleswiger Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History, in seinem Vortrag „Verfolgung von Sinti und Roma in der NS-Zeit in Flensburg und im nördlichen Schleswig-Holstein” die Zuhörer*innen in die historischen Zusammenhänge sowie in die neuen Forschungsergebnisse ein und zeigte Perspektiven für die Zukunft auf.
[Siehe auch: Sebastian Lotto-Kusche, Zur Deportation der Sinti und Roma am 16. Mai 1940 aus Flensburg. Opferschicksale, Kämpfe der Überlebenden um Entschädigung und Strafverfolgung; in: Grenzfriedenshefte, 69.Jg., 1/2022; hrsg. v. ADS-Grenzfriedensbund e.V. / www.ads-grenzfriedensbund.de]

Zum Abschluss stellten Constanze Hafner, Achim Langer und Sven Roevens das Konzept des Projekts Gedenkstelle Steinfelder Weg vor – sein gesellschaftliches sowie pädagogisches Anliegen wie auch die gestalterische Konzeption. Pünktlich zu diesem Abend war die Schrifttafel – als erstes Element der zukünftigen Gedenkstelle – fertig geworden und im Foyer der Schule zu sehen (s.Foto oben).

Die Finanzierung des Projektes ist bis jetzt noch nicht vollständig abgeschlossen. Frau Lange sicherte vonseiten der Stadt Flensburg zu, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Weitere Förderanträge sind gestellt. Auch private Spender sind sehr willkommen – jeder Betrag bringt die Gedenkstelle einen Schritt zur Fertigstellung weiter!
Wer das Projekt Gedenkstelle finanziell unterstützen möchte, konnte an diesem Abend bereits symbolisch eine dieser Wildrosen-Pflanzen für 5.- Euro erwerben. 88 dieser Wildrosen sind Teil der Gestaltung und werden im kommenden Jahr auf dem Areal der Gedenkstelle gepflanzt.
Auch mittels Überweisung kann man sich weiterhin an den Rosen beteiligen:
Kontoinhaber: Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik Flensburg e.V.
IBAN: DE36 4306 0967 0000 6103 00
BIC: GENODEM1GLS
Bank: GLS Bank
Verwendungszweck: Spende für Rose Gedenkstelle.
Sollten mehr Spenden eingehen, als für die Rosen benötigt werden, fließen diese in die Herstellung der Bänke.

Zusätzlich konnte die Wanderausstellung „Der lange Weg. Aus Vergangenheit lernen – Zukunft gestalten” vom 29.9 – 2.10. 2022 im Kleinen Saal der Schule präsentiert werden. An zwei Schulvormittagen hatten die Oberstufenklassen jeweils für 2,5 Stunden die Gelegenheit, an einem von Jens Rönnau (Kurator der Ausstellung) sowie Mitgliedern des Landesverbandes der Sinti und Roma in SH geleiteten Workshop teilzunehmen und dabei die Ausstellungsinhalte zu vertiefen. An drei Nachmittagen sowie am Abend des 29.9 war die Ausstellung auch für die Öffentlichkeit zugänglich und bot mit ihren 21 Schrifttafeln, darunter zwei speziell für die Flensburger Geschichte, sowie einem interaktiven elektronischen Modul eine Fülle an Informationen in Bild und Schrift. 


 

 

Artikel im Flensburger Tageblatt vom 11. Juli 2022

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Projekt Erinnerungsstelle für die 1935 an die Valentiner Allee zwangsumgesiedelten und später deportierten Flensburger Sinti

Seit dem 2. August 2008 erinnert eine Bronzetafel am Haus Norderstraße 104 in Flensburg an sechs Mitglieder der Familie Weiß, Hausbewohnerinnen und Hausbewohner, die hier stellvertretend für alle ermordeten Flensburger Sinti genannt werden. Die Inschrift verweist auf ein Lager in der Valentiner Allee, in das die betroffenen Familien Ende des Jahres 1935 zwangsumgesiedelt worden waren und bis zum Mai 1940 unter menschenunwürdigen Bedingungen leben mussten. Letztlich wurden, soweit bis heute bekannt, ungefähr 40 bis 50 Flensburger Sinti von dort über Hamburg in das von Deutschland besetzte Generalgouvernement nach Belzec (Polen) deportiert. Längst sind noch nicht alle Spuren der deportierten Mitbürgerinnen und Mitbürger rekonstruiert, noch immer ergeben sich durch zufällige Aktenfunde oder breit angelegte Recherchen neue Erkenntnisse. Die erlittene Verfolgung, die nach 1945 weiterhin anhielt und erst gegen Ende der Siebzigerjahre (!) allmählich einem angemessenen Bewusstsein in der Mehrheitsbevölkerung wich, hat tiefe Wunden hinterlassen, die zu heilen viel Zeit und unser aller Empathie erfordert.

Im Herbst 2018 entstand bei einer kleinen Gruppe von Kolleginnen und Kollegen der Freien Waldorfschule Flensburg der Wunsch, dem Gedenken an die Opfer dieser Verbrechen an der Valentiner Allee einen Raum zu geben und diesen dort angemessen zu gestalten. Die Schulgemeinschaft könnte damit ihren Teil dazu beitragen, die Erinnerung an die vertriebenen Flensburger Mitbürgerinnen und Mitbürger lebendig zu erhalten. Zudem ließe sich in unmittelbarer Nähe zum Standort des ehemaligen Lagers (Steinfelder Weg 41 und 43) so eine weitere Station zu den Flensburger Erzählorten (FLEO 2020) hinzufügen.
Aufgehalten durch die Corona-Situation, konnte das Projekt – Stand Januar 2022 – noch nicht abgeschlossen werden, das gestalterische Konzept liegt jedoch vor.

 

Constanze Hafner


Kontakt: gedenkstelle@waldorfschule-flensburg.de